Tierarztpraxis Lautenschläger

Newsletter Unsauberkeit der Katze Teil 2 : Blasenentzündungen

Liebe Tierfreunde,

in diesem Newsletter geht es erneut um ein „Katzenthema“. Die Katzenhalter unter Ihnen werden sich vielleicht noch an den ersten Teil unseres letzten Newsletters erinnern. Es ging ganz allgemein um das Thema „Wenn es zur Unsauberkeit bei Katzen kommt“ mit einer der häufigsten Ursachen: „Die Katzentoilette“. Klicken Sie hier, wenn Sie es nochmal lesen möchten.

In diesem zweiten Teil möchten wir nun auf eine besondere Art der Unsauberkeit eingehen.

Und zwar auf die Blasenentzündung der Katze ohne erkennbare Ursache. Auch hierbei spielt Stress, aus Sicht der Katze, eine besondere Rolle.

Die „spezielle“ Blasenentzündung der Katze (Feline Idiopathische Cystitis) FIC

Was hat die Blasenentzündung mit Stress oder dem Glück der einzelnen Katze zu tun?

Liebe Tierbesitzer,

immer häufiger beobachten wir Fälle von blutiger Blasenentzündung, die eigentlich keine feststellbare Ursache hat. Diese wird „idiopathische (keine erkennbare Ursache) Cystitis (Blasenentzündung) =FIC“ genannt.

Bei einer normalen Harnwegsentzündung, kommt es zu Harnabsatzstörungen, die sich folgendermaßen äußern können: häufiges Pieseln kleiner Mengen Urin, Harnabsatz an ungewöhnlichen Stellen, blutiger Urin wird abgesetzt, Unruhe und Schmerzäußerungen bei dem Versuch Harn abzusetzen.

Wenn Sie mit Ihrer Katze und diesen Symptomen zu uns kommen, dann lassen wir zuerst den Urin untersuchen: In den meisten Fällen wird es sich um eine bakterielle Harnwegsentzündung oder um ein Problem mit Harngrieß handeln.

Ist der Urin jedoch keimfrei, und Ultraschall und Röntgen liefern keine weiteren Auffälligkeiten, können Harnwegsentzündung und Harngrieß ausgeschlossen werden, dann sprechen wir von einer FIC. Häufig beobachtet man diese Form der Blasenentzündung bei Katzen mittleren Alters, die als Wohnungskatzen gehalten werden und Trockenfutter bekommen.

Oft treten diese Krankheitsfälle im Frühling und Herbst auf. Man nimmt an, dass Stress eine wichtige Rolle als Auslöser einer FIC gilt. Betroffene Katzen reagieren meist anfälliger auf chronischen Stress als andere. Die Katzen die für FIC anfällig sind, haben eine höhere Anzahl an Schmerzrezeptoren in der Blase und eine veränderte Schleimschicht der Blasenschleimhaut. Auch die Konzentration der Glucosaminglycane (wichtig für eine stabile Blasenschleimhaut) im Urin ist verändert.

Die Therapie von FIC

Die Therapie von FIC beinhaltet eine Stressreduzierung, eine Ernährungsumstellung und eine medikamentöse Behandlung.

Mit der Therapie können zwar die Symptome verringert werden, aber nicht immer kann eine Heilung erzielt werden. Vor allem, wenn die Stressfaktoren nicht beseitigt werden können. Dann kommt es immer wieder zu Krankheitsschüben.

Zum besseren Verständnis der Stressfaktoren für Katzen, haben wir eine Reihe an Informationen zusammengestellt, die Ihnen helfen können, mögliche Problempunkte zu erkennen, und auch Ideen zur Änderung zu geben. Manches ist möglich, manches vielleicht nicht. Wir hoffen jedoch, dass Ihnen und Ihrer Katze folgende Zusammenstellung möglicher Auslösefaktoren eine Hilfe ist.

1.Plätze und Abläufe:

  • Vorhersehbare tägliche Abläufe (Routine).
  • Zugang zu den gewohnten Räumen ist immer möglich.
  • Ruheplätze: Ihre Katze fühlt sich dort sicher, es ist ruhig und kuschelig, gerne auch auf einem erhöhten Platz, da es größere Sicherheit bringt und sie den Überblick hat. Fensterbankplätze zum Hinausschauen. Diese sollten gegen Kälte von der Fensterbank selber, wie auch von der Scheibe abgeschirmt sein, um die Blase zu schützen.
  • Mehrkatzenhaushalt (Stress unter Katzen in einem Mehrkatzenhaushalt sind häufige Ursachen für FIC): Katzen sollten die Möglichkeit haben 1-3m Abstand halten zu können, wenn sie sich nicht wirklich mögen.
  • Bestehen in einem Mehrkatzenhaushalt genügend sichere Fluchtwege, Versteckmöglichkeiten und Ruheplätze?
  • Ggf. kann eine besonders aggressive „Zweitkatze“ mit Glöckchen am Halsband markiert werden, so dass die anderen Katzen ihr leichter aus dem Weg gehen können.
  • Oder wenn nötig/möglich einen Raum im Haus, mit einer Chip-kontrollierten Katzenklappe, in dem sie vor der anderen Katze sicher ist.
  • Bei Spannungen mit Katzen in der Nachbarschaft: Sichtkontakt einschränken und Zugang zum Haus absichern z.B. durch Mikrochip-Katzenklappe.
  • Einsamkeit kann auch ein Auslöser sein.

2.Essen und Trinken:

  • Ess- und Trinkplätze ohne direkten Blickkontakt zu anderen Katzen.
  • Ruhe bei der Nahrungsaufnahme und die Möglichkeit, ohne Unterbrechungen in ihrem Rhythmus das Futter aufzunehmen. Sie sollte sich sicher dabei fühlen und keine Angst vor anderen Katzen oder plötzlich Unerwartetem haben. Notfalls sollten die Katzen lieber bei der Fütterung getrennt werden.
  • Nassfutter ist besser als Trockenfutter. Einige spezifische Futtermittel erhöhen die Wasseraufnahme der Katzen. Durch hohe Wasseraufnahme kann das spezifische Gewicht des Urins verringert werden und so einer Übersättigung entgegengewirkt werden. Die Blase wird besser „durchgespült“.
  • Bei unterbeschäftigten Katzen kann die Nahrungsaufnahme zum Spiel werden und es ist eine tolle Möglichkeit ihren Tagesablauf interessanter zu machen.
  • Deshalb Trockenfutter in Spielzeuge (z.B. Pipolino oder Fummelbrett) geben. Es gibt auch Spielzeuge, in denen das Feuchtfutter versteckt wird und die Katzen es herausarbeiten können. So müssen sich die Tiere die Nahrungsaufnahme erarbeiten, sind damit beschäftigt, und haben danach auch ein Erfolgserlebnis.

3. Katzentoiletten:

  • Katzentoiletten in ausreichender Anzahl (Anzahl der Katzen + 1) an verschiedenen ungestörten Plätzen im ganzen Haus zur Verfügung stellen. Die Katze soll sich dabei sicher fühlen und nicht von einer anderen Katze dabei gestört oder abgepasst werden.
  • Kein Blickkontakt zwischen den Toilettenplätzen.
  • Unparfümiertes Streu verwenden, ggf. verschiedene Einstreu ausprobieren. Nur eine große Menge Einstreu bietet ausreichend Möglichkeit zum Scharren und Vergraben.
  • Besser offene Toiletten als bedeckte Katzenklos verwenden, wegen der Geruchsstauung und der fehlenden Übersicht für die Katze.
  • Die Toiletten an einem anderen Ort als der Fress- und Trinknapf stellen.
  • Mindestens 1x im Monat das komplette Katzenklo mit milder geruchloser Seife waschen. Bei Katzen mit FIC ist es besser dies wöchentlich zu tun.

4. Sozialgefüge und Aktivitäten:

  • Kontakt zum Menschen von der Katze bestimmen lassen.
  • Da diese Erkrankung auch mit Stress unter anderem durch Unterbeschäftigung/ Alleinesein beschrieben wird, sind hier einige Anregungen in diese Richtung:
  • Katzen sollten im Mehrkatzenhaushalt entspannt zwischen wärmeren und kühleren Plätzen, ruhigeren und für ihr Empfinden sichere „Ausweichplätze“ wechseln können. Das gilt besonders, wenn kleine Kinder mit im Haushalt wohnen, da diese für Katzenohren oft laut sind.
  • Katzen sollten die Möglichkeit haben, sich frei zu bewegen, zu klettern, zu kratzen, zu erforschen und zu spielen.
  • Kratzen: Katzen kratzen lieber an senkrechten Flächen. Gerne tun sie dies nach dem Schlafen und Ausstrecken. Deshalb ist es vorteilhaft, in der Nähe, wo sich die Katze gerne ausruht oder viel aufhält, Möglichkeiten zum Kratzen anzubieten.
  • Kauen: Katzengras anbieten und evtl. mit Thunfischwasser oder Feuchtfutter einschmieren (es sei denn sie hat Magenbeschwerden). Pflanzen, von denen sich die Katze fern halten soll, mit Bitterstoffen einschmieren. Giftige Pflanzen entfernen.
  • Spielen entspricht bei Katzen ihrem Jagdtrieb. Sie fangen oder greifen nach etwas, springen es an oder beißen hinein. Es gibt viele Spielmöglichkeiten. Nicht jede Katze spielt mit dem gleichen Spielzeug. Manche Katzen mögen lieber Spielangeln (Stab mit Schnur und Plüsch dran zum Fangen) oder Spielzeug, das mit langen Schnüren von der Decke baumelt und beim Vorbeigehen angeschubst werden kann. Es gibt aber auch sich selbst bewegende Spielzeuge.
  • Wie schon erwähnt: Rollende Trockenfutterspender (z.B. Pipolino), aus dem die Katze nur mit konsequentem Engagement das Futter herauserarbeiten kann. Katzenfummelbretter, aus denen die Katzen das Futter nur mit den Pfoten herausangeln können.
  • Manche Katzen wiederum jagen auch gerne ein Laserpointer-Punkt an der Wand.
  • Auch Spielzeug an Schnüren oder elastischen Bändern, die sich unvorhergesehen bewegen (z.B. mit ca. 60cm Länge an Ihren Knöchel gebunden, während Sie die Wohnung aufräumen), ermöglichen ein herrliches Fangspiel.

… und Vieles mehr…

Hierzu gibt es auch Literatur, fragen Sie uns!

Nach dem Spiel sollten die Katzen auch “Leckereien” erhalten, damit sie motiviert bleiben und keine Frustration aufkommt. In der Hoffnung, dass die eine oder andere Anregung für Sie neu, interessant und hilfreich war, verabschieden wir uns.

Herzlichst Ihre

Ina Lautenschläger und Sonja Fabian